Die ersten Schritte


Im Jänner 2018 begann ich nun mir alle notwendigen Informationen zu suchen, die ich für mein Vorhaben benötige.

Bevor ich jedoch mit all dem begonnen habe, gab es noch einige intensive Gespräche mit meiner Therapeutin. Für mich war es zwar ganz klar dass ich keine Frau bin - jedoch plagte mich ein anderer Gedanke sehr. Denn obwohl ich mich immer mehr als Mann gefühlt hatte in den letzten Jahren, bin ich immer wieder Beziehungen mit einem Mann eingegangen. Das tat ich aber nicht weil es sich als Frau so gehörte - sondern weil ich mich von diesen Männern sexuell angezogen fühlte.
Und genau das machte mir große Sorgen - ich fühle mich als Mann und trotzdem fühle ich mich von Männern angezogen - wie kann das sein?!
Meine Therapeutin erklärte mir, dass das eine mit dem anderen nicht zu tun hat.
Das eine ist die eigene Sexuelle-Identität derer man sich zugehörig fühlt, das andere die Sexuelle-Orientierung von der man sich angezogen fühlt.
Ebenso meinte sie, dass es völlig in Ordnung ist, wenn sich trotz meines Vorhabens meine Sexuelle-Orientierung nicht verändert. Jedoch wurde mir auch gesagt, dass es möglich sein kann, dass es sich durch die Hormonbehandlung ändern könnte (muss nicht, aber es kann möglich sein). Da nun auch dieser Punkt für mich geklärt war begann ich nun meine benötigten Gutachten erstellen zu lassen und ließ die benötigten Untersuchungen durchführen.

 

Um mit eine Geschlechtsangleichung durchführen zu können, benötigt man in Österreich 3 unabhängige Gutachten (Psychologisches Gutachten, Neuro-Psychologisches Gutachten, Psychiatrisches Gutachten), die bestätigen das man unter einer "Sexuellen Identitätsstörung" (F64.0) leidet. Diese 3 Gutachten benötigt man schon für die Vornamensänderung (VÄ) sowie die Personenstandsänderung (PÄ).

 

Bis man jedoch alle Gutachten zusammen hat dauert das schon eine Weile. Im besonderen muss man glaubwürdig machen, dass man schon eine bestimmte Zeit lang (ca. 2 Jahre) das Leben quasi als Mann/Frau geführt hat. Das beinhaltet den Kleidungsstil, das Verhalten, Körperpflege (Deos, Parfüm, bei Mann zu Frau das Schminken, Toiletten, usw.).

Kleidungsstil, Verhalten und Körperpflege war für mich nie ein Problem - jedoch was die Toiletten betraf, war es mir nicht immer möglich, auf die Herren Toilette zu gehen - auch wenn es mir persönlich lieber gewesen wäre.
Da ich mich nicht gleich von Beginn an bei allen geoutet habe, war es mir erstens beruflich und zweitens privat nicht möglich auf die Herren Toilette zu gehen. Beruflich wurde ich den anderen Kollegen immer als Kollegin vorgestellt, dann kann ich schlecht auf die Herren Toilette gehen. Im privaten war es mir aufgrund der Freunde (und dessen Eltern) meines Kindes nicht möglich, da sie alle genau wussten dass ich eine Frau bin.

 

Bei den Gesprächen mit dem Arzt/Therapeuten muss man jedes mal alles erklären: Seit wann haben sie das Gefühl ein Mann zu sein? Warum denken sie, dass sie ein Mann sind? Wie geht ihre Familie damit um? Wie geht ihr Kind damit um? Wie reagieren ihre Freunde - wie gehen diese damit um? Sind ihnen die Risiken bewusst? Ist ihnen bewusst, welche Auswirkungen Testosteron auf sie und ihren Körper hat? Wollen sie sich auch umoperieren lassen? Hören sie Dinge die andere nicht hören? Haben sie Probleme mit dem Schlafen? Fühlen sie sich verfolgt? Trinken sie Alkohol, wenn sie beruflichen Stress haben?

Bei diesen Gesprächen soll festgestellt werden, ob diese Entscheidung ernst gemeint ist oder nur ein Fluchtversuch aus einer bestimmten Lebenslage: Kurzschlussreaktion!


Ich kann das ganze Verfahren Theoretisch gut verstehen - Praktisch ist es aber sehr mühsam und zerrt sehr an einem.

 

Zuerst geht man mit den 3 Gutachten zum Standesamt und veranlasst eine Personenstandsänderung (von weiblich auf männlich). In einem dieser Gutachten muss jedoch ein bestimmter Satz bzw. ein bestimmtes Wort vorkommen, damit diese Änderung anerkannt werden kann. Bei mir stand dies leider nirgendwo drinnen - daher musste ich mir eines dieser Gutachten korrigieren lassen (mühsame Sache).

 

In einem der 3 Gutachten muss entweder das Wort "irreversibel" (unveränderbar = dass sich am Zugehörigkeitsempfinden nichts mehr ändert) oder den Satz "dass sich am Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht nichts mehr ändern wird" enthalten.
Mit der neuen Geburtsurkunde (Geschlecht: männlich, Vorname: weiblicher Vorname), geht man auf die Bezirkshauptmannschaft und beantragt, da man ja männlich ist - jedoch einen weiblichen Vornamen hat, eine Vornamensänderung auf den gewünschten Namen den man sich selbst ausgesucht hat.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schwierig es ist, sich selbst einen Namen auszusuchen. Gefällt mir dieser Name, wie ist es mit diesem Namen zu unterschreiben, gefällt dieser Name auch den anderen - ja, ich weiß,  man soll dabei nicht an die anderen denken - unbewusst tut man es trotzdem.

Danach wartet man bis zu 4-5 Wochen - ich hatte Glück - ich musste nur 2 Wochen warten. Mit dem Bescheid der Namensänderung geht man erneut zum Standesamt und lässt den Vornamen ändern. Zudem gleich eine neue Geburtsurkunde, einen neuen Staatsbürgerschaftsnachweis und einen neuen Meldezettel. Mit all dem wieder zurück auf die Bezirkshauptmannschaft - neuen Führerschein und neuen Reisepass. Zudem mussten all meine Ausweise die ich beruflich benötige geändert werden.